30.08.2017

Fachbereich Allgemeine Innere Verwaltung der Hochschule für den öffentlichen Dienst in Hof

Fachbereich Allgemeine Innere Verwaltung der Hochschule für den öffentlichen Dienst in Bayern in Hof: Die Zahl der hauptamtlichen Dozenten muss dringend aufgestockt werden Foto © H. Zeilinger

Städte und KOMBA-Gewerkschaft schlagen Alarm

Der Bayerische Städtetag hat sich mit einem „Brandbrief“ an den Bayerischen Finanzminister Markus Söder gewandt. Konkreter Anlass war die Durchfallquote von 32 Prozent bei der letzten Zwischenprüfung.

Die Analyse des Städtetags ergab, dass die Gründe für das schlechte Prüfungsergebnis sowohl im Lehrkräftemangel an der Hochschule und den dadurch bedingten Unterrichtsausfällen, als auch in den seit Jahren stark gestiegenen Studierendenzahlen liegen. Nachdem früher etwa 60 Lehrkräfte in Hof für circa 300 Prüflinge zur Verfügung standen, erfolgt der Unterricht nun für circa 600 Prüflinge durch eine unveränderte Anzahl an hauptamtlichen Dozenten. Der Bayerische Städtetag geht davon aus, dass die Zahl der Studierenden aufgrund des erhöhten Personalbedarfs in den Kommunen in den kommenden Jahren weiter steigen wird.

Der Städtetag kritisiert auch, dass die Städte an den Freistaat durch die gestiegenen Studentenzahlen pro Jahr etwa vier Millionen Euro an Ausbildungskosten zahlen, dieses Geld jedoch in den Staatshaushalt ohne Zweckbindung für die Hochschule fließt. Weiter führt der Bayerische Städtetag aus, dass im Haushalt 2017/2018 keine der dringend benötigten Planstellen für Hochschullehrer bewilligt wurde, sondern nur Haushaltsmittel für auf zwei Jahre befristete Arbeitsverträge bereitgestellt wurden. Die Hochschule konnte für 2017 und 2018 nur jeweils zwei Lehrkräfte mit befristeten Arbeitsverträgen gewinnen. Der Städtetag macht in seinem Schreiben auch deutlich, dass die Personalprobleme der Hochschule für den öffentlichen Dienst in Bayern in den vergangenen Jahren stetig zunehmen. Seit dem Jahr 2015 ist ein erheblicher Anstieg der Studierenden in Hof zu verzeichnen. So waren es 2014 insgesamt 385 Studienanfänger (112 staatliche und 273 kommunale), 2015 schon 614 (146 staatliche und 468 kommunale) und 2016 insgesamt 620 Studienanfänger (168 staatliche und 452 kommunale). Die Prognose bis zum Jahr 2030 sieht aufgrund des konstant hohen Ausbildungsbedarfs in den Kommunen pro Jahr zwischen 400 und 500 kommunale Studierende vor.

Der Städtetag bemängelt auch, dass insbesondere im Jahr 2017 schon seit Wochen in erheblichem Umfang Unterricht an der Hochschule ausfällt und sich die Lage weiter zuspitzt. In der Gesamtschau sei eine deutliche Verschlechterung der Lehrsituation in Hof zu verzeichnen, was nicht nur durch häufige Unterrichtsausfälle, sondern auch durch uneffektiven Unterricht in Großgruppen, in denen die Wissensvermittlung nicht mehr intensiv genug stattfinden kann, sowie in Engpässen bei der Betreuung der Diplomarbeiten deutlich zum Ausdruck komme. Die sich zuspitzende Personallage könne nicht durch befristete Stellen für nebenamtlich Tätige gemildert werden. Problematisch sei, dass diese Kräfte nicht marktgerecht entlohnt werden und daher auch insgesamt die Attraktivität und der Ruf der Hochschule leide.

Der Bayerische Städtetag fordert deshalb anlässlich der Beratungen zum Nachtragshaushalt 2018 die Finanzausstattung für den Lehrkörper der Hochschule für den öffentlichen Dienst in Hof entsprechend dem gestiegenen Bedarf an der Ausbildung von Fachkräften für den kommunalen öffentlichen Dienst in Bayern zu erhöhen. Zur Finanzierung sollen auch die gestiegenen Einnahmen des Freistaates aus der kommunalen Studienkostenerstattung zweckgebunden verwendet werden, um die angemessene, nicht nur befristete Personalausstattung entsprechend der gestiegenen Studentenzahl, die in der Prognose dauerhaft hoch bleiben wird, zu erhöhen. Da der Fachkräftemangel in den Kommunen stetig zunimmt, an der Bildung junger Menschen nicht gespart werden darf und die fundierte kommunale Ausbildung dauerhaft sichergestellt werden muss, fordert der Städtetag, in der Hochschule die erforderliche Aufstockung des Personals auch unter Verwendung der Mehreinnahmen aus den kommunalen Kostenbeteiligungen vorzunehmen.

Auch KOMBA-Gewerkschaft drängt seit Monaten auf Lösungen

Die KOMBA-Gewerkschaft Bayern hat in den letzten Monaten in mehreren Gesprächen mit den Verantwortlichen sowohl des Fachbereichs in Hof als auch des Bayerischen Innenministeriums und des Bayerischen Finanzministeriums auf die sich zuspitzende Lage hingewiesen und auf rasche Lösungen gedrängt, wobei vonseiten der KOMBA-Gewerkschaft deutlich gemacht wurde, dass die Lösung des Problems nicht darin liegen könne, die Zahl der nebenamtlichen Dozenten weiter zu erhöhen. Vielmehr müssten zeitnah Stellen für hauptamtliches Lehrpersonal geschaffen werden. Viele Studierende bemängeln nämlich sowohl Qualität als auch Fachkompetenz vieler nebenamtlicher Dozenten, da zunehmend Dozenten eingesetzt würden, die erst vor kurzem selbst die Ausbildung am Fachbereich abgeschlossen und nur wenige Monate in dem Rechtsgebiet, das sie jetzt unterrichteten, Berufserfahrung gesammelt hätten.

Finanzminister Söder stellt Verbesserungen zum Nachtragshaushalt 2018 in Aussicht.

Der Finanzminister hat auf die zunehmende Kritik reagiert und in einem Schreiben vom 24. Juli 2017 Folgendes mitgeteilt:
„An der Hochschule für den öffentlichen Dienst in Bayern studieren ressortübergreifend die Nachwuchskräfte des Freistaates Bayern wie auch kommunaler und anderer nichtstaatlicher Dienstherren mit Einstieg in der dritten Qualifikationsebene. Die Hochschule ist damit das Aushängeschild der Ausbildung für den öffentlichen Dienst in Bayern. Es ist erfreulich und gleichzeitig ein Beleg für die hohe Attraktivität des Studiums an der Hochschule für den öffentlichen Dienst, dass auch die kommunalen Dienstherren ihre Studierendenzahlen am Fachbereich innere Verwaltung in Hof in den letzten Jahren stark erhöht haben. So hat sich die Zahl der Studienanfänger von 386 im Jahr 2014 auf 614 im Jahr 2015 und 620 im Jahre 2016 erhöht. Für 2017 werden noch höhere Zahlen erwartet. Um sich angesichts der Herausforderungen auch künftig modern und attraktiv präsentieren zu können, müssen daher alle Anstrengungen unternommen werden, damit das Studium auch künftig auf einem hohen Niveau gehalten werden kann.

Aus diesem Grund führt das Staatsministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat an der Hochschule für den öffentlichen Dienst aktuell das größte Ausbau- und Investitionsproramm  in der Geschichte durch. Am Fachbereich Allgemeine Innere Verwaltung in Hof hat der Freistaat Bayern auf die sprunghaft angestiegene Studierendenzahlen schnell reagiert und innerhalb kürzester Zeit 280 zusätzliche Unterkunftsplätze sowie zwei Lehrsäle in unmittelbarer Campusnähe zur Verfügung gestellt. Vier weitere Lehrsäle befinden sich derzeit im Bau.

Mit den steigenden Studierendenzahlen ist nicht nur ein erhöhter räumlicher Bedarf, sondern auch ein erhöhter Lehraufwand verbunden. Gleichzeitig ist die Entwicklung der Studierenden je nach Einstellungspraxis der Ressorts bzw. der nichtstaatlicher Dienstherren erfahrungsgemäß in der langfristigen Betrachtung großen Schwankungen unterworfen. Daher muss, neben einem festen Personalbestand, auch die Möglichkeit einer flexiblen Anpassung der Lehrkapazitäten an den jeweiligen Bedarf bestehen. Dies geschieht u. a. durch den Einsatz von nebenamtlichen Dozenten. Die Nebenamtsquote im Fachbereich Allgemeine Innere Verwaltung beträgt derzeit 32 Prozent, andere Fachbereiche haben hier durchaus höhere Nebenamtsquoten.
Um das Studium im Fachbereich Allgemeine Innere Verwaltung auch in Zukunft in der gewohnt hohen Qualität zu ermöglichen, hat der Freistaat Bayer im Doppelhaushalt 2017/2018 Personalmittel zur befristeten Einstellung von zusätzlichen Dozenten zur Verfügung gestellt. Damit konnten bereits zusätzliche Dozenten eingestellt werden. Die Zahl der hauptamtlichen Dozenten konnte durch diese Maßnahme sowie unter Berücksichtigung einer Abordnung von knapp 60 auf über 65 erhöht werden. Weitere personelle Verbesserungen an der Hochschule für den öffentlichen Dienst sind im Rahmen der Verhandlungen zum Nachtragshaushalt 2018 zu entscheiden. Der Fachbereich Allgemeine Innere Verwaltung in Hof hat sich durch die Qualität seiner Ausbildungsleistung zu Recht einen hervorragenden Ruf erworben und wird auch in Zukunft ein verlässlicher Partner der Kommunen bleiben“.

Nachtragshaushalt 2018 muss Verbesserungen bringen
Die KOMBA-Gewerkschaft Bayern wird bereits im Vorfeld der Aufstellung des Nachtragshaushalts 2018 auf die Verantwortlichen auf allen Ebenen einwirken, dass im Nachtragshaushalt 2018 zusätzliche Mittel für die Schaffung von Planstellen für hauptamtliche Dozenten bereitgestellt werden.

Kontakt

KOMBA-Gewerkschaft Bayern
Pfeuferstraße 33
81373 München
Tel.: 089 770253
Fax: 089 7250957
lg.bayern(at)komba.de 

Imagefilm der komba gewerkschaft

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